Ein Shoutout zum Schulbeginn an alle, die gerne lernen

Niemand mag Klugscheißer – und trotzdem war ich schon immer einer. Hab ich mich damit immer überall beliebt gemacht? Sicher nicht. Aber diejenigen, die mir trotzdem zugehört haben, waren danach auf jeden Fall schlauer als vorher.

Dieser Text ist deshalb heute für alle Klugscheißer, Streber und Hermine Grangers da draußen. Für alle, die gern lernen. Die nicht nur irgendwie durchkommen, sondern wirklich verstehen wollen. Die gut sein möchten in dem, was sie tun, und bereit sind, dafür die berühmte Extrameile zu gehen. Für diejenigen, die schon alles eingepackt haben, während die anderen noch überlegen, wo ihre Schultasche eigentlich ist. Die Fragen stellen, weil sie verstehen wollen. Die freiwillig nachlesen, sich vorbereiten und in den Ferien im Freibad oder am Strand mit einem Buch in der Hand anzutreffen sind.

„Du Streber!“ ist selten als Kompliment gemeint

Wer gern lernt und gute Leistungen erbringt, macht sich damit nicht unbedingt beliebt. Manchmal genügt schon eine interessierte Frage zu viel, eine gut vorbereitete Präsentation oder die pünktlich abgegebene Hausaufgabe (die man tatsächlich selbst gemacht hat…). Schnell fällt das Wort „Streber“ – und obwohl meine Standardantwort darauf ist: „Und stolz drauf!“ – das Wort ist nicht als Lob gemeint.

Auch Hermine Granger aus Harry Potter wird nicht von allen geliebt, weil sie auf jede Frage eine Antwort weiß, Regeln ernstnimmt und gefühlt die halbe Bibliothek gelesen hat. Auf ihre Klugheit wird gern hingehackt – zumindest so lange, bis jemand ganz dringend ihre Hilfe braucht. Dann ist es plötzlich ziemlich praktisch, eine Hermine in der Nähe zu haben.

Lasst uns doch endlich aufhören, Begeisterung kleinzumachen. Niemand muss sich dafür entschuldigen, etwas wissen zu wollen. Niemand sollte absichtlich schlechter vorbereitet erscheinen, nur um nicht aufzufallen. Und niemand sollte seine Hand unten lassen, obwohl er die Antwort kennt, weil er fürchtet, sonst wieder als Besserwisser zu gelten. Oder, wie es einer meiner Schüler einmal resignierend festgestellt hat: „Frau Professor, in dieser Klasse ist es einfach nicht cool, wenn man was weiß.“ – Ich war und bin sehr stolz, dass sich das einige Zeit später tatsächlich verändert hat. (Liebe 8D, falls ihr das lest – wir sehen uns spätestens 2028 zum 10-jährigen Maturajubiläum!)

Auch die Unauffälligen brauchen Aufmerksamkeit

Im Schulalltag – und auch in Familien – richtet sich der Blick verständlicherweise oft auf jene Kinder und Jugendlichen, die Schwierigkeiten haben, Unterstützung brauchen oder durch ihr Verhalten besonders auffallen. Es ist wichtig und richtig, dass sie gesehen werden und Hilfe bekommen. Aber manchmal lohnt es sich, den Blick auch ganz bewusst in die andere Richtung zu lenken. Denn dabei geraten diejenigen aus dem Blick, bei denen scheinbar ohnehin alles „läuft“. Sie erledigen ihre Aufgaben, halten sich an Vereinbarungen, lernen selbstständig und verursachen keine Probleme. Gerade weil man sich auf sie verlassen kann, bekommen sie oft weniger Aufmerksamkeit.

Doch auch sie möchten gesehen werden. Nicht nur für ihre Noten, sondern für ihre Neugier, ihre Ausdauer und ihren Einsatz. Für die zusätzlichen Gedanken, die sie sich gemacht haben. Für die Frage, die weit über den Prüfungsstoff hinausgeht. Für das Buch, das sie freiwillig gelesen haben, und für all die Zeit, in der sie an etwas gearbeitet haben, obwohl niemand sie dazu gedrängt hat. Leicht zu lernen bedeutet übrigens nicht, dass hinter einer guten Leistung keine Anstrengung steckt. Und wer gut ist, braucht nicht weniger Ermutigung. Vielleicht eine andere – aber nicht weniger. Ich weiß, wovon ich spreche.

Gut sein zu wollen ist nichts, wofür man sich schämen muss

Natürlich geht es nicht darum, immer perfekt zu sein. Kein Mensch muss überall der oder die Beste sein. (Mehr dazu auch in Episode 31 meines Podcasts „Lernen ist Abenteuer im Kopf“ zum Thema Perfektionismus.) Eine Note sagt nichts darüber aus, wie wertvoll jemand ist, und Lernen darf nicht zu einem nie endenden Wettbewerb werden. Aber zwischen ungesundem Perfektionismus und echter Begeisterung liegt ein großer Unterschied.

Es ist etwas Schönes, sich in ein Thema wirklich „reinzufuchsen“. Sorgfältig zu arbeiten. Sich vorzubereiten. Noch eine Frage zu stellen. Einen Fehler nicht als persönliche Niederlage zu sehen, sondern als Hinweis darauf, wo es noch etwas zu entdecken gibt. Und bitte, bitte seid auf euer Wissen und Können stolz! Die berühmte Extrameile zu gehen, muss dabei nicht immer spektakulär sein. Manchmal besteht sie einfach darin, zehn Minuten länger dranzubleiben, noch einmal nachzulesen, nicht die erstbeste Antwort hinzuschreiben. Oder etwas so lange zu üben, bis aus „Ich kann das nicht“ langsam ein „Ich kann das noch nicht“ und schließlich ein „Ich kann das“ wird.

Und weil Lernen nicht allen Menschen gleich leichtfällt, ist dieser letzte Satz besonders wichtig: Lernfreude und Lernerfolg sind nicht einfach angeboren oder eben nicht. Oft fehlen nur die passenden Strategien. Wer versteht, wie das eigene Gehirn funktioniert, wer verschiedene Lernwege ausprobiert und bei Bedarf gezielte Unterstützung erhält, kann plötzlich Fortschritte machen, die vorher kaum möglich schienen. (Genau hier setzt gutes Lerntraining an!)

Lernen ist wie googlen – nur krasser

Wir leben in einer Zeit, in der fast jede Information innerhalb weniger Sekunden verfügbar ist. Wir können Begriffe googeln, Erklärvideos ansehen und die künstliche Intelligenz fragen. Das ist großartig – aber eine Information gefunden zu haben, bedeutet noch lange nicht, etwas verstanden zu haben. Echtes Lernen verändert, was in unserem Kopf passiert. Neues Wissen verbindet sich mit Erfahrungen, wir erkennen Zusammenhänge und können eigene Schlüsse ziehen. Wir können Stück für Stück auf etwas aufbauen, das bereits in uns vorhanden ist, und Fragen stellen, an die wir zuvor nicht einmal gedacht hätten. Denn wer etwas gelernt hat, findet nicht bloß eine Antwort. Er oder sie kann einordnen, hinterfragen, weiterdenken und auf neue Situationen übertragen. Wissen macht uns unabhängiger. Es hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen, überzeugender zu argumentieren und die Welt ein Stück genauer zu verstehen. Und: Lernen hält jung!

Ein Hoch auf alle, die es wissen wollen

Kurz vor dem Beginn eines neuen Schuljahres möchte ich deshalb ganz bewusst all jene feiern, die sich auf den ersten Schultag, auf neue Hefte und Bücher, auf noch unbekannte Themen freuen. Ein Hoch auf die Kinder, die schon jetzt wissen möchten, was sie in diesem Jahr lernen werden. Auf die Jugendlichen, die Ziele haben und bereit sind, etwas dafür zu tun. Auf die Erwachsenen, die sich noch einmal für eine Ausbildung entscheiden, obwohl ihr letzter Schultag längst hinter ihnen liegt. Auf alle, die Bücher lieben, Fragen stellen, genau zuhören, Notizen machen und nicht lockerlassen, bis sie etwas verstanden haben.

Bleibt neugierig. Stellt weiterhin Fragen. Lest auch im Sommer Bücher. Bereitet euch vor. Denkt weiter. Teilt euer Wissen, wenn jemand eure Hilfe braucht – und lasst euch nicht einreden, ihr müsstet euch kleiner oder unwissender machen, damit andere sich wohler fühlen. Vielleicht seid ihr nicht immer überall beliebt. Aber ziemlich sicher ist die Welt mit euch ein kleines bisschen schlauer als ohne euch. Denn Lernen ist Abenteuer im Kopf.

Herzliche Grüße

Mag. Sarah Eidler

PS: Vielleicht erkennst du dich in diesem Text wieder – und möchtest nicht nur selbst gern lernen, sondern auch Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, ihre eigenen Zugänge zum Lernen zu entdecken. In unserer Ausbildung Dipl. Lerntrainer/in beschäftigst du dich unter anderem mit Gehirn und Gedächtnis, Konzentration, Entwicklungspsychologie, multisensorischem und bewegtem Lernen sowie vielen Methoden, die sich direkt in der Praxis einsetzen lassen. Für Absolventinnen und Absolventen, die zusätzlich mit Themen wie Motivation, Resilienz, oder Emotionsregulation arbeiten möchten, bietet die Kursleitung Kinder- und Jugendmentaltraining eine passende Spezialisierung.

Denn vielleicht braucht es manchmal genau einen leidenschaftlichen Klugscheißer, um einem Kind zu zeigen, dass Lernen viel mehr sein kann als Schulnoten und Hausaufgaben: nämlich ein Abenteuer im Kopf.

Warum lebenslanges Lernen in einer Welt der Langlebigkeit wichtiger wird als je zuvor

Wer sich mit dem Thema Longevity beschäftigt, kommt an einer faszinierenden Vorstellung kaum vorbei: Vielleicht gehören Menschen, die heute 50 oder 60 Jahre alt sind, zur ersten Generation, die eine realistische Chance hat, 100, 110 oder sogar 120 Jahre alt zu werden. Neue Erkenntnisse über Ernährung, Bewegung, Prävention und moderne Medizin lassen die Hoffnung wachsen, dass wir nicht nur länger leben, sondern auch länger gesund bleiben können.

Doch je intensiver ich mich mit dem Thema beschäftige, desto häufiger stelle ich mir eine andere Frage: Was bedeutet ein deutlich längeres Leben eigentlich für unseren Geist?

Die Diskussion konzentriert sich oft auf körperliche Gesundheit. Wir trainieren unsere Muskeln, achten auf ausreichend Bewegung, verbessern unsere Ausdauer und beschäftigen uns mit gesunder Ernährung. All das ist wichtig. Aber ein fitter Körper allein macht noch kein erfülltes Leben aus. Denn was nützt es, wenn wir mit 100 Jahren noch problemlos eine Bergwanderung schaffen, unser Gehirn aber nicht mehr in der Lage ist, neue Erfahrungen aufzunehmen, Zusammenhänge zu erkennen oder Erinnerungen zu bilden?

Die Antwort auf diese Herausforderung könnte in einer Haltung liegen, die wir uns ein Leben lang erhalten sollten: die Bereitschaft zu lernen.

Lernen wird häufig mit Schule, Ausbildung oder Studium verbunden. Viele Menschen betrachten ihre Lernphase im Grunde als abgeschlossen, sobald sie ins Berufsleben eintreten. Diese Sichtweise sollten wir grundlegend überdenken. Wenn wir künftig tatsächlich deutlich länger leben, werden wir auch deutlich länger lernen müssen – und dürfen.

Schon heute verändert sich die Arbeitswelt in rasantem Tempo. Berufe entstehen neu, andere verschwinden. Technologien entwickeln sich schneller als jemals zuvor. Wer über Jahrzehnte beruflich anschlussfähig bleiben möchte, kommt um kontinuierliche Weiterbildung nicht herum. Dabei geht es nicht nur darum, mit technischen Entwicklungen Schritt zu halten. Es geht auch darum, Tätigkeiten zu finden, die unseren Interessen und Fähigkeiten entsprechen und die wir langfristig mit Freude ausüben können.

Wenn Menschen künftig bis 70, 75 oder sogar 80 Jahre arbeiten, wird die Frage nach Sinn und Motivation noch wichtiger werden. Niemand möchte mehrere Jahrzehnte in einem Beruf verbringen, der auslaugt und erschöpft. Lebenslanges Lernen eröffnet die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu orientieren, neue Kompetenzen zu entwickeln und berufliche Wege einzuschlagen, die besser zur jeweiligen Lebensphase passen.

Doch Lernen ist weit mehr als eine Investition in die Karriere. Es ist auch eine Investition in die Gesundheit unseres Gehirns.

Unser Gehirn liebt und braucht Herausforderungen. Neue Fähigkeiten zu erwerben, unbekannte Themen zu entdecken oder neue Denkweisen kennenzulernen, hält neuronale Netzwerke aktiv.

Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, dass geistige Aktivität eine wichtige Rolle dabei spielt, die kognitive Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten. Natürlich gibt es keine Garantie gegen Erkrankungen wie Demenz. Aber es spricht vieles dafür, dass ein neugieriger und lernbereiter Geist bessere Voraussetzungen schafft, um lange mental fit zu bleiben.

Deshalb sollten wir das Gehirn ähnlich betrachten wie unsere Muskulatur. Niemand würde erwarten, dass ein Muskel stark bleibt, wenn er jahrzehntelang nicht genutzt wird. Warum sollten wir also glauben, dass unser Geist ohne regelmäßige Herausforderungen dauerhaft leistungsfähig bleibt?

Für mich gehört deshalb lebenslanges Lernen genauso selbstverständlich zu einem gesunden Lebensstil wie Bewegung oder eine ausgewogene Ernährung. Dabei muss Lernen keineswegs anstrengend oder akademisch sein, im Gegenteil, Lernen muss Freude machen – und entscheidend ist die Bereitschaft, neugierig zu bleiben.

Was mich besonders beschäftigt: Angenommen, wir erreichen tatsächlich ein Alter von 110 oder 120 Jahren. Was machen wir dann mit den zusätzlichen Jahrzehnten?

Viele Menschen träumen von einem langen Leben. Doch ein langes Leben will auch gestaltet werden. Wenn wir mit 80 oder 90 Jahren noch mehrere Jahrzehnte vor uns haben, reicht es kaum aus, nur auf Vergangenes zurückzublicken. Wir brauchen Ziele, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir brauchen die Freude am Entdecken.

Gerade deshalb erscheint mir lebenslanges Lernen als einer der wichtigsten Bausteine eines erfüllten langen Lebens. Es hält nicht nur unsere beruflichen Möglichkeiten offen und unterstützt die Gesundheit unseres Gehirns. Es schenkt uns auch etwas, das vielleicht noch wertvoller ist, und das wir bei Kindern oft bewundern: die Fähigkeit, uns immer wieder für Neues zu begeistern.

Als jemand, der selbst gerne Neues entdeckt, sich für Menschen und Tiere einsetzt und nicht zuletzt durch mein ehrenamtliches Engagement in Kenia erlebe ich immer wieder, wie bereichernd es ist, den eigenen Horizont zu erweitern. Jede neue Erfahrung eröffnet neue Perspektiven. Jede neue Erkenntnis macht die Welt ein Stück größer.

Vielleicht ist genau das das eigentliche Geheimnis eines langen und erfüllten Lebens: nicht nur viele Jahre zu haben, sondern in all diesen Jahren neugierig zu bleiben.

In diesem Sinne: Bleib gesund – und neugierig!

Herzliche Grüße

Sarah Eidler

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Unsere innere Haltung entscheidet darüber, ob uns Stress krank macht oder wachsen lässt.

„Hau jedem aufs Maul, der dir sagt, du hättest zu viel Stress.“ Als ich diesen Satz vor ein paar Tagen gehört habe, musste ich lachen. Denn so provokant er klingt, so viel Wahrheit steckt darin. Stress ist längst zum Feindbild geworden. Wir reden darüber, als wäre er etwas, das wir unbedingt vermeiden müssen. Aber vielleicht ist genau diese Haltung das eigentliche Problem?!

Ich kenne stressige Phasen nur zu gut. Durch Arbeit, Familie, meine Tieren und mein Engagement für Harambee gibt es Tage, an denen die To-do-Liste länger ist als der Tag selbst. Und trotzdem würde ich nicht sagen, dass ich „zu viel Stress“ habe. Ich habe viel zu tun – aber ich tue Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Und genau da beginnt das Thema Mindset.

Stress ist nämlich nicht automatisch negativ. Vielmehr hängt seine Wirkung stark davon ab, wie lange er andauert (also ob wir von akutem oder chronischem Stress sprechen) und vor allem: wie wir ihn bewerten. Genau das zeigt auch die Arbeit „De-stressing Stress: The Power of Mindsets and the Art of Stressing Mindfully“ von Alia Crum (Columbia Business School) und Chris Lyddy (Case Western Reserve University). Darin wird deutlich, dass Stress sowohl schädliche als auch förderliche Effekte haben kann – und dass unser Mindset darüber entscheidet, welche Seite überwiegt.

Die Autorinnen und Autoren beschreiben sehr klar: Stress kann positive Effekte auf Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden haben. Das widerspricht allem, was wir normalerweise hören. Denn gesellschaftlich dominiert ein anderes Bild: Stress macht krank, erschöpft und führt langfristig ins Burnout. Und ja, das kann passieren – vor allem dann, wenn wir dauerhaft über unsere Grenzen gehen und Warnsignale ignorieren.

Aber die Forschung zeigt eben auch die andere Seite. Stress kann uns fokussierter, leistungsfähiger und sogar widerstandsfähiger machen. Er aktiviert unseren Körper, schärft unsere Aufmerksamkeit und hilft uns, Herausforderungen zu meistern. Die körperliche Stressreaktion ist ja ursprünglich genau dafür gedacht, unsere Ressourcen zu bündeln, damit wir mit Anforderungen besser umgehen können.

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob wir Stress haben – sondern wie wir ihn interpretieren. Wenn wir glauben, dass Stress uns schadet, reagieren wir oft mit Widerstand. Wir wollen ihn loswerden, vermeiden oder unterdrücken und genau das erzeugt zusätzlichen Druck – eine Art „Stress über den Stress“. Dieses Phänomen wird in der Forschung ebenfalls beschrieben: Nicht nur der Stress selbst belastet uns, sondern auch unsere Bewertung davon.

Wenn wir hingegen verstehen, dass Stress einfach ein Signal ist, wenn wir diese erkennen und wissen, wie wir damit umgehen können, dann verändert sich unsere Perspektive. Stress zeigt uns, dass uns etwas wichtig ist. Wir stressen uns nicht wegen Dingen, die uns egal sind. Er ist ein Hinweis auf unsere Werte, unsere Ziele, unsere Verantwortung. Und plötzlich wird aus dem „Gegner“ Stress ein Verbündeter.

Ich erlebe das oft im Alltag. Wenn ich mich gestresst fühle, frage ich mich nicht mehr sofort, wie ich diesen Zustand loswerde. Stattdessen frage ich: Warum ist mir das gerade so wichtig? Diese kleine Veränderung bringt mich zurück zu dem, was zählt, und gibt mir gleichzeitig Energie, dranzubleiben.

Und schließlich habe ich einen voll gepackten Werkzeugkoffer an Methoden zum Stressmanagement und zur Erholung zwischendurch. Gut so, denn mein „Stress“ ist nichts anderes als Engagement, Verantwortung und Herz – ich will ihn also gar nicht missen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass wir uns blind in Stress stürzen sollten. Wer langfristig leistungsfähig bleiben will, muss gut auf sich achten. Mentaltraining spielt hier eine zentrale Rolle. Es hilft uns, unsere Gedanken bewusst zu steuern, Stressoren zu erkennen und gesunde Strategien im Umgang mit Belastung zu entwickeln.

Denn auch das gehört zur Wahrheit: Nicht jeder Stress ist hilfreich. Dauerhafte Überforderung, fehlende Erholungsphasen und das Gefühl von Kontrollverlust können das Risiko für Burnout deutlich erhöhen. Genau deshalb ist es so wichtig, ein Gespür für die eigenen Grenzen zu entwickeln und rechtzeitig gegenzusteuern.

Ein starkes Mindset bedeutet also nicht, Stress zu ignorieren oder sich ständig zu pushen. Es bedeutet, bewusst damit umzugehen. Zu erkennen, wann Stress uns antreibt – und wann er uns ausbremst. Und vor allem: die Fähigkeit zu entwickeln, unsere Perspektive aktiv zu wählen. Sich also auch nicht von außen einreden zu lassen, dieser Stress wäre schädlich.

Die Forschung zeigt, dass genau das möglich ist. Unser Mindset ist nicht festgelegt. Es lässt sich verändern. Und schon kleine Impulse können eine große Wirkung haben. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kraft des Mentaltrainings: nicht darin, ein stressfreies Leben zu schaffen – sondern ein bewusstes. Ein Leben, in dem wir verstehen, was in uns passiert. Und in dem wir lernen, mit den Herausforderungen zu wachsen, statt an ihnen zu zerbrechen. Auch hier gilt: Wissen schützt.

Denn nein, jemandem „aufs Maul zu hauen“, der von zu viel Stress spricht, ist natürlich nicht die Lösung ;-). Vielleicht reicht es, ruhig zu sagen: Es kommt darauf an, wie du ihn siehst.

Herzliche Grüße

Sarah Eidler

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Zur oben genannten Studie:
Crum, A. J. (Columbia Business School) & Lyddy, C. (Case Western Reserve University) (2014):
De-stressing Stress: The Power of Mindsets and the Art of Stressing Mindfully.
In: Handbook of Mindfulness (Wiley-Blackwell).
Online HIER verfügbar (Stand 11.4.2026)

 

 

 

 

Endlich blinzeln wir wieder in die Sonne. Nach langen, dunklen Wintermonaten merkt man, wie sich die Stimmung plötzlich hebt, sobald die Sonne scheint. Menschen sind besser gelaunt und freundlicher, selbst die eigene To-do-Liste erscheint weniger bedrohlich. Doch warum ist das so? Warum macht uns Sonne tatsächlich glücklich?

Die Antwort liegt natürlich in unserem Körper verborgen. Sonnenlicht beeinflusst direkt unsere Hormonproduktion. Sobald Licht auf unsere Netzhaut trifft, sendet das Gehirn Signale aus, die die Ausschüttung von Serotonin anregen. Das ist jener Botenstoff, der für Zufriedenheit, innere Ruhe und emotionale Stabilität verantwortlich ist. Im Winter hingegen, wenn die Tage kurz und grau sind, sinkt der Serotoninspiegel. Viele Menschen kennen die „Winterdepression“ und spüren dann eine bleierne Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder fühlen sich einfach niedergeschlagen. Das ist eine natürliche Reaktion auf den Lichtmangel.

Gleichzeitig reguliert Sonnenlicht unser Schlafhormon Melatonin. In der dunklen Jahreszeit bleibt der Melatoninspiegel oft erhöht, wir fühlen uns tagsüber müde und kommen morgens schwer aus dem Bett, denn unser Tag-Nacht-Rhythmus wird maßgeblich durch Licht gesteuert. Deshalb wird auch immer dazu geraten, morgens ab in die Sonne, ans Tageslicht – aber woher sollte man das denn in den letzten Wochen nehmen?! Meine Tageslichtlampe hat ihr bestes getan, aber das ist natürlich nicht ganz dasselbe. Mit den ersten hellen Tagen pendelt sich unser innerer Rhythmus nun wieder so richtig ein. Wir schlafen tiefer, wachen erholter auf und starten wacher in den Tag. Es ist, als würde jemand einen Schalter umlegen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist natürlich Vitamin D – eigentlich kein Vitamin, sondern ein Hormon, das unser Körper mithilfe von Sonnenstrahlen selbst bildet. Es unterstützt nicht nur unser Immunsystem und unsere Knochengesundheit, sondern steht auch in engem Zusammenhang mit unserer Stimmung. Ein Mangel kann depressive Verstimmungen begünstigen, alles fühlt sich doppelt anstrengend an. Daher ist Supplementierung durch Nahrungsergänzungsmittel in unseren Breiten in den Wintermonaten wirklich zu empfehlen.

Doch nicht nur biochemisch geschieht etwas mit uns. Sonne verändert unser Verhalten. Wir gehen wieder öfter nach draußen, bewegen uns mehr, treffen uns mit Freundinnen, setzen uns mit einem Kaffee auf den Balkon, hören Podcast oder Audiodateien bei einem Spaziergang oder nehmen das Buch mit in den Park. Bewegung an der frischen Luft setzt zusätzlich Endorphine frei – körpereigene Glücksbotenstoffe. Es entsteht ein wunderbarer Kreislauf aus Licht, Aktivität und guter Laune.

Und seien wir ehrlich: Ja, das Feine am Fernstudium ist, man kann auch daheim gemütlich in eine warme Decke eingewickelt lernen – aber noch schöner ist es doch draußen in der Sonne bei Vogelgezwitscher. Natürlich hat es seinen Reiz, sich an kühlen Tagen einzukuscheln und konzentriert am Schreibtisch zu sitzen. Doch sobald die Sonne scheint, verändert sich die Atmosphäre. Tatsächlich zeigen Studien, dass helles Licht die Aktivität bestimmter Gehirnareale steigert, die für unsere Motivation zuständig sind. Gleichzeitig sinkt das Stresshormon Cortisol schneller ab, wenn wir Zeit im Freien verbringen. Die Natur wirkt wie ein Gegenpol zu unserem oft digitalen, schnellen Alltag. Sonnenlicht signalisiert unserem Gehirn Sicherheit, denn evolutionsbiologisch bedeutete Helligkeit Schutz und Aktivität, Dunkelheit hingegen Vorsicht und Rückzug. Dieses uralte Programm läuft noch immer in uns.

Elderly woman in home, opening curtains and getting ready for the day with sun, light and fresh air. Morning routine, retirement and senior person at window in apartment, housework and chores in room

Vielleicht spüren Sie gerade jetzt diese Aufbruchsstimmung. Die Lust, Fenster zu öffnen, Altes auszusortieren, neue Pläne zu schmieden. Frühling und Sonne stehen symbolisch für Neubeginn. Und manchmal brauchen wir genau dieses äußere Signal, um auch innerlich etwas in Bewegung zu bringen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, nicht nur die Fenster zu öffnen, sondern auch neue Türen. Wenn die Sonne uns neue Energie schenkt, warum sollten wir sie nicht nutzen? Ein neuer Kurs, eine Weiterbildung, ein Thema, das Sie schon länger reizt. Lernen bedeutet Entwicklung. Und Entwicklung beginnt mit einer bewussten Entscheidung – vielleicht genau in dem Moment, in dem Sie Ihr Gesicht in die Sonne halten und denken: Jetzt!

Sonnige Grüße

Mag. Sarah Eidler

 

 

Die Adventzeit ist für mich jedes Jahr ein besonderer Abschnitt – und ich bin sicher, vielen von euch geht es ähnlich. Es liegt etwas Magisches in diesen Wochen vor Weihnachten: Kerzenlicht, der Duft von Zimt, Vanille oder Tanne in der Luft, die Vorfreude, wenn man sich überlegt, mit welchen kleinen Gesten man anderen eine Freude machen könnte. Ich liebe dieses Gefühl und ich möchte es ganz bewusst genießen, statt mich von der Hektik anstecken zu lassen, die so oft im „Weihnachtsstress“ mitschwingt.

Mir hilft dabei der Blick auf das, was wirklich zählt: Achtsamkeit, Dankbarkeit – und die Freude am Schenken, jenseits von Glitzerpapier und vollen Einkaufsstraßen. Besonders schön finde ich es, wenn ich jeden Tag im Advent einen kleinen magischen Moment einbauen kann. Deshalb gibt es heuer bei uns im Bildungsinstitut einen Adventkalender, bei dem ihr jeden Tag tolle Preise gewinnen könnt. Jedes der Türchen soll nicht nur Freude bringen, sondern auch daran erinnern, wie wertvoll jeder einzelne Tag dieser besonderen Zeit ist.

Und wenn ich merke, jetzt lasse ich mich doch anstecken von all dem Weihnachtstrubel, dann gönne ich mir ganz bewusst eine Tasse Tee oder Kaffee – nicht nur nebenbei, nicht zwischen Tür und Angel, ohne gedanklich schon beim nächsten E-Mail zu sein. Ich nehme das Häferl in beide Hände, spüre die Wärme an den Fingern, beobachte den Dampf, der langsam aufsteigt, rieche die feinen Aromen, atme tief aus und nehme den ersten Schluck mit geschlossenen Augen. Dieser kurze Augenblick gehört nur mir. Und er reicht oft schon aus, um ruhiger und klarer durch den Tag zu kommen. Probiert das einmal aus: einfach innehalten, alle Sinne öffnen, atmen, schmecken, riechen, fühlen – und wieder bei sich ankommen.

 Geschenke Advent Weihnachten; two gift boxes and a burning candle decorated with red christmas baubles and small wooden toy trees in some snow on rustic wood, vintage background with large copy space, panorama format, selected focus, narrow depth of field

Denn das ist für mich der Kern des Advents: innehalten, bewusst leben, sich Zeit nehmen. Ich versuche deshalb, frühzeitig mit allem zu beginnen, was erledigt werden muss, damit genug Raum bleibt für das, worum es wirklich geht: gemeinsame Zeit mit meinen Lieben. Und ja, ich schenke auch gerne. Aber nicht planlos oder aus Pflichtgefühl, sondern mit dem Wunsch, jemandem ein Lächeln zu entlocken.

Und Weihnachten ist natürlich auch die Zeit für gute Taten – und für die Kinder und unserem Hilfsprojekt Harambee in Kenia beginnt  zu Jahresbeginn gleich das neue Schuljahr. Für 40 kleine Vierjährige beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt: die Vorschule. Einige von ihnen suchen noch eine Patin oder einen Paten, der sie begleitet und unterstützt. Das ist kein Geschenk, das man einpackt – aber eines, das ein Leben verändert.

Vielleicht möchtet ihr in diesem Jahr ein Geschenk mit Sinn machen?

In unserem Harambee-Spendenshop findet ihr schöne Möglichkeiten – und wer möchte, bekommt von uns auch eine symbolische Urkunde zum Weiterschenken. Für Menschen, die „eh schon alles haben“, kann das genau das Richtige sein. Ganz neu gibt es auch unsere Harambee-Teddys: 50 Stück stehen zum Verkauf, der Erlös geht vollständig an unser Projekt (bei Interesse: gern E-Mail an office@vonwald.at. Das Schöne daran: Jeder kleine Teddy findet gleich doppelt ein Zuhause – einer für euch oder eure Liebsten, und einer für einen unserer kenianischen Schulanfänger. Das ist wahre Weihnachtsfreude.

Ich bin überzeugt: Wenn wir den Advent nicht als Pflichtprogramm voller Termine und Erwartungen sehen, sondern als Einladung zum bewussten Leben, wird er zur echten Kraftquelle. Vielleicht hilft dir unser Adventkalender ein wenig dabei – als täglicher, liebevoller Impuls, dir selbst oder anderen etwas Gutes zu tun. Und vielleicht schenkst du dieses Jahr etwas, das weiterwirkt. Wissen in Form einer Ausbildung oder einer Kursbox für einen lieben Menschen oder Schulbildung für ein Kind, das sonst keine Möglichkeit dazu hätte.

Ich wünsche euch von Herzen eine entspannte, achtsame, zauberhafte Adventzeit!

Bis bald, herzliche Grüße

Sarah Eidler