Warum lebenslanges Lernen in einer Welt der Langlebigkeit wichtiger wird als je zuvor

Wer sich mit dem Thema Longevity beschäftigt, kommt an einer faszinierenden Vorstellung kaum vorbei: Vielleicht gehören Menschen, die heute 50 oder 60 Jahre alt sind, zur ersten Generation, die eine realistische Chance hat, 100, 110 oder sogar 120 Jahre alt zu werden. Neue Erkenntnisse über Ernährung, Bewegung, Prävention und moderne Medizin lassen die Hoffnung wachsen, dass wir nicht nur länger leben, sondern auch länger gesund bleiben können.

Doch je intensiver ich mich mit dem Thema beschäftige, desto häufiger stelle ich mir eine andere Frage: Was bedeutet ein deutlich längeres Leben eigentlich für unseren Geist?

Die Diskussion konzentriert sich oft auf körperliche Gesundheit. Wir trainieren unsere Muskeln, achten auf ausreichend Bewegung, verbessern unsere Ausdauer und beschäftigen uns mit gesunder Ernährung. All das ist wichtig. Aber ein fitter Körper allein macht noch kein erfülltes Leben aus. Denn was nützt es, wenn wir mit 100 Jahren noch problemlos eine Bergwanderung schaffen, unser Gehirn aber nicht mehr in der Lage ist, neue Erfahrungen aufzunehmen, Zusammenhänge zu erkennen oder Erinnerungen zu bilden?

Die Antwort auf diese Herausforderung könnte in einer Haltung liegen, die wir uns ein Leben lang erhalten sollten: die Bereitschaft zu lernen.

Lernen wird häufig mit Schule, Ausbildung oder Studium verbunden. Viele Menschen betrachten ihre Lernphase im Grunde als abgeschlossen, sobald sie ins Berufsleben eintreten. Diese Sichtweise sollten wir grundlegend überdenken. Wenn wir künftig tatsächlich deutlich länger leben, werden wir auch deutlich länger lernen müssen – und dürfen.

Schon heute verändert sich die Arbeitswelt in rasantem Tempo. Berufe entstehen neu, andere verschwinden. Technologien entwickeln sich schneller als jemals zuvor. Wer über Jahrzehnte beruflich anschlussfähig bleiben möchte, kommt um kontinuierliche Weiterbildung nicht herum. Dabei geht es nicht nur darum, mit technischen Entwicklungen Schritt zu halten. Es geht auch darum, Tätigkeiten zu finden, die unseren Interessen und Fähigkeiten entsprechen und die wir langfristig mit Freude ausüben können.

Wenn Menschen künftig bis 70, 75 oder sogar 80 Jahre arbeiten, wird die Frage nach Sinn und Motivation noch wichtiger werden. Niemand möchte mehrere Jahrzehnte in einem Beruf verbringen, der auslaugt und erschöpft. Lebenslanges Lernen eröffnet die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu orientieren, neue Kompetenzen zu entwickeln und berufliche Wege einzuschlagen, die besser zur jeweiligen Lebensphase passen.

Doch Lernen ist weit mehr als eine Investition in die Karriere. Es ist auch eine Investition in die Gesundheit unseres Gehirns.

Unser Gehirn liebt und braucht Herausforderungen. Neue Fähigkeiten zu erwerben, unbekannte Themen zu entdecken oder neue Denkweisen kennenzulernen, hält neuronale Netzwerke aktiv.

Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, dass geistige Aktivität eine wichtige Rolle dabei spielt, die kognitive Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten. Natürlich gibt es keine Garantie gegen Erkrankungen wie Demenz. Aber es spricht vieles dafür, dass ein neugieriger und lernbereiter Geist bessere Voraussetzungen schafft, um lange mental fit zu bleiben.

Deshalb sollten wir das Gehirn ähnlich betrachten wie unsere Muskulatur. Niemand würde erwarten, dass ein Muskel stark bleibt, wenn er jahrzehntelang nicht genutzt wird. Warum sollten wir also glauben, dass unser Geist ohne regelmäßige Herausforderungen dauerhaft leistungsfähig bleibt?

Für mich gehört deshalb lebenslanges Lernen genauso selbstverständlich zu einem gesunden Lebensstil wie Bewegung oder eine ausgewogene Ernährung. Dabei muss Lernen keineswegs anstrengend oder akademisch sein, im Gegenteil, Lernen muss Freude machen – und entscheidend ist die Bereitschaft, neugierig zu bleiben.

Was mich besonders beschäftigt: Angenommen, wir erreichen tatsächlich ein Alter von 110 oder 120 Jahren. Was machen wir dann mit den zusätzlichen Jahrzehnten?

Viele Menschen träumen von einem langen Leben. Doch ein langes Leben will auch gestaltet werden. Wenn wir mit 80 oder 90 Jahren noch mehrere Jahrzehnte vor uns haben, reicht es kaum aus, nur auf Vergangenes zurückzublicken. Wir brauchen Ziele, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir brauchen die Freude am Entdecken.

Gerade deshalb erscheint mir lebenslanges Lernen als einer der wichtigsten Bausteine eines erfüllten langen Lebens. Es hält nicht nur unsere beruflichen Möglichkeiten offen und unterstützt die Gesundheit unseres Gehirns. Es schenkt uns auch etwas, das vielleicht noch wertvoller ist, und das wir bei Kindern oft bewundern: die Fähigkeit, uns immer wieder für Neues zu begeistern.

Als jemand, der selbst gerne Neues entdeckt, sich für Menschen und Tiere einsetzt und nicht zuletzt durch mein ehrenamtliches Engagement in Kenia erlebe ich immer wieder, wie bereichernd es ist, den eigenen Horizont zu erweitern. Jede neue Erfahrung eröffnet neue Perspektiven. Jede neue Erkenntnis macht die Welt ein Stück größer.

Vielleicht ist genau das das eigentliche Geheimnis eines langen und erfüllten Lebens: nicht nur viele Jahre zu haben, sondern in all diesen Jahren neugierig zu bleiben.

In diesem Sinne: Bleib gesund – und neugierig!

Herzliche Grüße

Sarah Eidler

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Oft erkennen wir Alter bereits am Gang, oder? Ich bin sicher, die meisten wissen sofort, was gemeint ist. Kleine zappelnde Schritte, schlurfend, als wenn man mit der Sohle nicht vom Boden weg kommt. Und mit Jugendlichkeit verbindet man ein festes Auftreten, größere Schritte, Selbstbewusstsein. Und das würden wir uns alle gern erhalten wollen, oder?

Veränderungen des Gangbildes stehen in engem Zusammenhang mit dem Rückgang der Balancefähigkeit und des Gleichgewichtes. Gehen und Stehen sind zwar Vorgänge, die automatisiert ablaufen, die aber erhebliche Anforderungen an unsere neuromotorischen Abläufe stellen, also an die gut gewartete Verbindung zwischen Nerv und Muskel.

Der aufrechte Mensch hat schon beim Stehen eine sehr geringe, labile Unterstützungsfläche, die sich beim Gehen noch zusätzlich verringert.

Die Veränderungen, die im Gangzyklus alter Menschen auftreten, sind vor allem eine abnehmende Schrittlänge, Ganggeschwindigkeit und Schritthöhe, wobei es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

Männer neigen zu einer breiten Unterstützungsfläche und einem schlurfenden Gang (kommen sehr breitbeinig daher, heben aber nicht die Füße), Frauen dagegen wählen eine kleine oder eng gestellte Unterstützungsfläche, oft Trippelschritte oder sie neigen das Becken bei jedem Schritt wie im Watschelgang.

Im Einzelnen lässt sich beobachten:

verkürzte Schrittlänge
verringerte Geschwindigkeit
längere Doppelstandphase
verringerte Kraft des Abstoßens
verringertes Abrollen des Fußes
verringerte Gelenksbeweglichkeit, vor allem in Knie und Sprunggelenk vorgebeugte Rumpfhaltung
verringertes Mitschwingen der Arme

Um im Alter erfolgreich agieren zu können, ist eine Ganggeschwindigkeit von 1,2m/Sek erforderlich. Diese Geschwindigkeit wird bei Ampelphasen benötigt oder um rechtzeitig eine Toilette aufsuchen zu können. 
Das Sturzrisiko steigt erheblich bei einer Ganggeschwindigkeit unter 0,7m/Sek.

Und mit diesem Wissen sollten wir es schon in jüngeren Jahren machen, wie immer – rechtzeitig gegensteuern.

Dazu gehört, dass man vor allem viel zu Fuß geht. Alles, was man nicht benutzt, verkümmert. Wie kann man erwarten, im Alter noch flott unterwegs zu sein, wenn man bis zur Pensionierung alles mit dem Auto zurücklegt und am Wochenende auf der Couch sitzt?

Es gehört Balance dazu, also immer mal wieder auf einem Bein stehen, eine Minute sollte man das schon schaffen.

Und ganz wichtig, die Muskeln nicht verkümmern lassen, also Krafttraining. Für den aufrechten Gang brauchen wir eine starke Muskelschlinge aus Bauch und Rückenmuskeln, wir brauchen einen gut ausgebildeten Oberschenkelmuskel, um überhaupt mal aus einem tiefen Sessel aufstehen zu können (Sie kennen die Menschen, die dabei die Hände zum Abstützen brauchen, weil der Muskel keine Kraft hat?).

Wann sollte man anfangen? Gestern. Aber genau heute ist auch noch gut.

Denn:

Selbst das größte Problem hätte sich lösen lassen, solange es noch ein kleines Problem war.

Herzlichst

Dr. h.c. Gabriela Vonwald

 

PS: Wer Senioren gesundheitsfördernd unterstützen möchte, ist in unserer Ausbildung „Dipl. Seniorengesundheitstrainerin/-trainer“ bestens aufgehoben. Die Ausbildung ist auch für pflegende Angehörige, die sich umfassend informieren wollen, eine wertvolle Unterstützung. Absolventen können im Angestelltenverhältnis in entsprechenden Einrichtungen, Seniorentagesstätten, Seniorenheimen oder auch in einer Privatfamilie als Seniorenbetreuung/-animation arbeiten. Sie können aber auch auf selbständiger Basis mit dem freien Gewerbe „Personenbetreuung“ (auch: „24-Stunden-Betreuung“) und/oder „Planung einer sinnvollen Freizeitgestaltung (Animation)“ oder als freiberufliche Trainer/in arbeiten.

 

 

In den letzten Wochen war bei mir richtig viel los. Ein Termin jagte den nächsten: Patentreffen, Familienfeiern, Hochzeiten, Jubiläum im Reitverein – und obwohl ich mich über jeden einzelnen dieser Anlässe gefreut habe, habe ich mich zwischendurch ehrlich gesagt gefragt: Muss das jetzt schon wieder sein? Ich hatte ein wenig das Gefühl, von sozialen Verpflichtungen überrollt zu werden und bin froh, dass nun bis Weihnachten ein paar ruhigere Wochen vor mir liegen. Und trotzdem bin ich wahnsinnig dankbar für mein stabiles soziales Netz. Für Familie und Freunde, für die kleinen und großen Momente und Begegnungen, die verbinden und Halt geben.

Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Studien heute sehr klar, dass stabile soziale Kontakte nicht nur unser Wohlbefinden steigern, sondern ganz konkret unsere Gesundheit verbessern können. Wer sich eingebunden fühlt, wer Teil einer Gemeinschaft ist, der lebt nachweislich länger – und gesünder. Denn Einsamkeit erhöht unser Stresslevel – sie ist einfach nicht artgerecht für das Herdentier Mensch. Diese Erkenntnis verändert, wie wir über Gesundheit denken. Denn Gesundheit bedeutet eben nicht nur, sich gesund zu ernähren, sich zu bewegen oder ausreichend zu schlafen. Gesundheit bedeutet auch, sich mit anderen verbunden zu fühlen.

Dabei ist soziale Gesundheit nicht an eine bestimmte Lebensphase gebunden. Sie ist mit zwanzig genauso wichtig wie mit achtzig. Gerade in der zweiten Lebenshälfte zeigt sich oft, wie sehr tragfähige Beziehungen den Unterschied machen. Deshalb ist mir unsere Ausbildung zum Seniorengesundheitstrainer auch so besonders wichtig. Es geht dabei nicht nur um körperliche und geistige Aktivierung, sondern vor allem auch um die soziale Dimension des Älterwerdens. Denn wer im Alter vereinsamt, verliert nicht nur Lebensfreude, sondern oft auch Gesundheit. Wir brauchen Begegnung, Austausch und Zugehörigkeit – ein Leben lang.

Dabei ist Gemeinschaft mehr als ein „nice to have“. Sie ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. In jungen Jahren passiert sie oft ganz selbstverständlich – in der Familie, mit Freundinnen, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Doch mit der Zeit verändert sich vieles. Alte Kontakte brechen weg, neue entstehen nicht immer von allein. Gespräche werden kürzer, Begegnungen seltener. Als Erwachsene fällt es uns schwerer, Freundschaften zu schließen. Und irgendwann bemerkt man vielleicht, dass da eine Lücke entstanden ist, die sich nicht durch digitale Chats oder schnelle Nachrichten schließen lässt.

Umso wichtiger ist es, Beziehungen rechtzeitig aktiv zu pflegen. Nicht nur zu den Menschen, die uns bereits nahestehen, sondern auch zu denen, mit denen wir vielleicht gerade etwas Neues beginnen – zum Beispiel in einer Weiterbildung. Ich erlebe es in unseren Kursen immer wieder: Da entsteht etwas, das weit über reines Lernen hinausgeht. Da wird gefragt, gelacht, diskutiert, sich gegenseitig unterstützt. Und das ist kein Zufall – das ist gewollt. Denn unser Anspruch ist, dass Lernen wieder persönlich wird. Menschen lernen am besten von Menschen.

Unsere Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer sollen nicht nur Multiple-Choice-Fragen beantworten oder mit einer künstlichen Intelligenz „reden“. Sie sollen mit uns in echten Kontakt kommen. Wir sind als Menschen da, mit Zeit, Interesse und nicht nur einem, sondern gleich zwei offenen Ohren. Das macht einen riesigen Unterschied – und ist auch eine Form von sozialer Gesundheit. Denn in einer Umgebung, in der man sich gesehen, gehört und unterstützt fühlt, wird Lernen nicht nur effektiver, sondern auch erfüllender.

Ich lade euch daher ein, genauer hinzuschauen: Wo in meinem Leben wünsche ich mir mehr Verbindung? Mit wem könnte ich wieder bewusst in Kontakt treten? Und welche kleinen Schritte kann ich gehen, um meine soziale Gesundheit zu stärken?

Dabei geht es nicht um große Gesten oder spektakuläre Veränderungen. Manchmal reicht ein Anruf, ein Gespräch, ein Kompliment, eine Einladung zum Kaffee. Manchmal ist es der Moment, in dem man wirklich zuhört (ohne dazwischen aufs Smartphone zu schauen!), sich ehrlich austauscht oder einfach da ist. Solche Augenblicke haben mehr Wirkung, als man denkt.

Es geht dabei nicht um Quantität, sondern um Qualität. Nicht darum, möglichst viele Kontakte zu haben, sondern jene Beziehungen zu pflegen, die uns guttun, die ehrlich sind und auf Gegenseitigkeit beruhen. Das kostet manchmal Überwindung, manchmal Zeit – aber es lohnt sich. Für unser seelisches Gleichgewicht, für unser Wohlbefinden und auch für unsere körperliche Gesundheit.

Bleibt gesund, neugierig und verbunden!

Herzliche Grüße

Sarah Eidler

 

Welch schockierende Aussage, oder? Trotzdem wahr.

Mein Mann meint beim Frühstück, Muskeln sind doch wichtig, müsste der Körper die nicht ganz von allein aufbauen?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Mensch kann mit einem Minimum an Muskeln wunderbar überleben. Solange es Essen und Wasser in Reichweite gibt, man vom Bett aufs Klo und zurück kommt – alles gut. So einfach, so brutal.

Um sich Muskeln leisten zu können, braucht der Körper viel Energie, denn Muskeln werden sozusagen für die reine Anwesenheit bezahlt. Sie verbrauchen neben dem Gehirn die meiste Energie, und zwar im Ruhezustand, also auch dann, wenn sie eben gar nichts tun.

Deshalb sind sie ja so wichtig, wenn man sein Gewicht trotz weniger Kalorien reduzieren oder vor allem halten will. Muskeln steigern den Grundumsatz.

Aber sie lassen sich bitten. Wenn sie nicht gebraucht, gefordert, gepflegt werden, dann verschwinden sie wieder. Und zwar schon ab 30 Jahren und selbst beim Training nach 7 bis 10 Tagen Ruhepause.

Und dieses „sie fordern“ ist eben das Geheimnis.

Man muss sich das so vorstellen:

Die Muskeln sollen, wie alle anderen Organe auch, das Überleben sichern. Das individuelle und das der Art. Sie passen sich also daran an, was der Mensch für genau dieses Überleben braucht. Und wenn sie merken, oha, geht sich nicht aus, mein Mensch verlangt mehr von seinem Körper, als wir gerade zur Verfügung stellen – dann wachsen sie. Nur dann.

Und dabei sieht unser Muskel nicht, ob der Kraftakt notwendig ist, um ein Mammut zu erlegen, die Beute heim zu schleppen, das Feld zu pflügen oder einen Berg zu erklimmen, weil dahinter das Wasserloch ist. Oder im Studio die Hantel zu schwingen.

Immer wenn wir mehr fordern, als der Muskel leicht geben kann, dann wächst er.

Und wenn wir nur so viel fordern, wie er eh schon bequem schafft, dann wächst er eben nicht.

Für mich immer wieder erstaunlich, wie schnell das alles geht. Wie schnell unser toller Körper sich an jede Belastung anpasst. Wenige Wochen und man kann seinen ganzen Körper neu erfinden.

Übrigens gilt das auch fürs Lernen. Wer nur macht, was er schon gut kann, wer nur immer die Vokabeln benutzt, die er eh weiß, der wird sich nicht entwickeln. Wer beruflich nur 40 Jahre das Gleiche tut, nie was Neues lernt, sich nie fragt – was kann ich noch, was interessiert mich noch, der bleibt eben nicht nur stehen, der entwickelt sich zurück. Also vom Bett zum Klo und zurück.

Dr. h.c. Gabriela Vonwald

 

Wer genauer wissen will, wie er seinen Körper langfristig fit hält, dem empfehlen wir das Kurs-Upgrade Kursleitung Abnehmen und Gewichtsmanagement

Gestern auf dem Heimweg vom Büro habe ich im Radio wieder einmal plötzlich ein Lied gehört, das mich sofort an meinen Vater erinnert hat. Da höre ich ihn mitsingen, trommeln, sehe ihn vor meinem inneren Auge im Wohnzimmer meiner Kindheit stehen. Mein Vater war Musiker und Musiklehrer, und seine Leidenschaft für die Musik war allgegenwärtig. Er ist vor rund eineinhalb Jahren verstorben und heute, am 7.2., wäre sein Geburtstag.

Das Alter wird in unserer Gesellschaft oft mit Defiziten in Verbindung gebracht. Wer alt ist, braucht Hilfe, ist gebrechlich, eine Belastung. In Kenia erlebe ich es anders: Dort sind alte Menschen Respektspersonen, ihre Erfahrung ist wertvoll, ihr Rat gefragt. Hierzulande ist es leider oft das Gegenteil. Viele Menschen werden erst in die Familie integriert, wenn sie pflegebedürftig sind. Das schafft eine Wahrnehmung des Alters, die von Einschränkung und Belastung geprägt ist. Doch Alter ist mehr als das. Es ist eine Lebensphase voller Erinnerungen, Erfahrungen und einer Tiefe, die in unserer schnelllebigen Zeit oft unterschätzt wird.

Gerade die Musik hat die Kraft, diese Erinnerungen lebendig zu halten. Ich habe es bei meinem Vater erlebt – als Worte nicht mehr möglich waren, erreichten wir ihn mit Musik noch immer. Das ist wissenschaftlich belegbar: Musik aktiviert zahlreiche Gehirnprozesse, beeinflusst Emotionen und kann insbesondere bei Menschen mit Demenz Wunder bewirken.

Ich arbeite ja auch gerade an einer neuen Pflegefortbildung, auch dabei beschäftige ich mich intensiv mit Biografiearbeit, einem wichtigen Ansatz in der Seniorenbetreuung. Dabei geht es darum, Erinnerungen wachzurufen, die persönliche Lebensgeschichte zu würdigen und dadurch eine tiefere Verbindung zu schaffen. Musik spielt in der Biografiearbeit eine zentrale Rolle, da sie Erinnerungen an frühere Lebensphasen weckt und oft mit starken Emotionen verknüpft ist. Menschen können durch vertraute Klänge Momente aus ihrer Vergangenheit erneut erleben, was ihr Wohlbefinden deutlich verbessern kann.

Welche Musik eignet sich am besten? Hier gibt es kein Patentrezept. Musik ist zutiefst persönlich. Was die einen zu Tränen rührt, lässt andere kalt oder nervt sie sogar. Es geht nicht um allgemeingültige Klassiker oder therapeutisch empfohlene Stücke, sondern um das, was den einzelnen Menschen bewegt. Welche Musik hat eure Eltern oder Großeltern in ihrer Jugend begleitet? Welche Lieder haben sie geliebt, zu welchen haben sie getanzt? Diese Fragen sind wertvoll, um später einen Anker in die Vergangenheit zu haben, wenn Worte verblassen.

Ebenso entscheidend ist die Art der Darbietung. Musik ist keine Einbahnstraße. Sie entfaltet ihre stärkste Wirkung, wenn sie aktiv erlebt wird. Ein Radio, das im Hintergrund dudelt, kann Erinnerungen wecken, aber nichts ersetzt die Magie von Live-Musik. Das kann ein Enkel sein, der ein Lieblingslied vorsingt, oder ein gemeinsames Summen einer Melodie, die einst bedeutend war – es geht um die emotionale Verbindung, die dadurch entsteht.

Gerade in der Seniorenarbeit sollte Musik nicht als bloßer Zeitvertreib gesehen werden, sondern als Schlüssel zu einer Welt, die oft unerreichbar erscheint. Ich möchte daher alle, die mit älteren Menschen arbeiten oder leben, ermutigen, Musik gezielt einzusetzen. Findet heraus, welche Klänge eure Lieben berühren, singt mit ihnen, spielt ihnen vor. Denn Musik ist mehr als Unterhaltung. Sie ist Erinnerung, Gefühl, ein Stück Identität – und manchmal die letzte Brücke, die bleibt.

Herzliche Grüße,

Mag. Sarah Eidler