Noch nie war das Wissen über das, was so alles gesund ist beim Essen, so groß wie heute. Zumindest in Mitteleuropa und den USA. Aus der Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit ist inzwischen sogar schon eine neue Krankheit geworden, nennt sich Orthorexie, nicht zu verwechseln mit den eingebildeten Kranken, den Hypochondern. Menschen, die unter dieser Orthorexie leiden, beschäftigen sich praktisch den ganzen Tag nur damit, ob das, was sie tun und essen und in der Kosmetik verwenden, auch gesund ist, suchen praktisch das Haar in der Suppe oder den unbekannten Inhaltsstoff in einem Produkt. Das Komische daran, sie sind deshalb keineswegs gesünder. Was diesen Menschen nämlich vollkommen abhanden gekommen zu sein scheint, ist ihr Bauchgefühl. Das Gefühl, tut mir gut, mache ich, oder, schadet mir, auch wenn es noch so gesund ist. Und damit kommen wir zu meinen Großeltern.
Ich gebe es zu – es gibt wenige Obstsorten, an denen ich mich so richtig mit Genuss satt essen kann. Ich habs generell eher mit Gemüse als mit Obst (die Kirsche in der Praline oder im Eisbecher lasse ich gelten), vertrage auch zu viel Fruchtzucker nicht so gut, aber bei Erdbeeren kann ich einfach nicht widerstehen und freue mich, dass man sie schon bald wieder überall kaufen kann. Und mit gerade einmal knapp über 30 Kalorien auf 100 Gramm darf man dies auch tun, wenn man gerade auf die Figur achtet.
Bachblüten gehören wohl zu den Heilmethoden, von denen jeder schon einmal irgendetwas gehört hat, von denen aber nur die wenigstens wirklich wissen, was man eigentlich damit tun kann. An diesem Halbwissen sind die vielen selbsternannten Berater nicht ganz unschuldig, die mit Pendel und Glaskugel bewaffnet ihre Kunden einfach eine Karte ziehen lassen und dann diese intuitive Entscheidung für oftmals viel Geld als Therapie verkaufen. Wenn ich mich zufällig in ein Nadelkissen setze, ist dies auch keine Akupunktur, und wenn mir ein Hund ans Bein pinkelt, ist es kein Kneippguss.
Manche Dinge ziehen sich ja durch ein Leben wie ein roter Faden, prägen einen Menschen, verfolgen ihn manchmal auch. Bei mir ist es wohl, ständig in zwei Welten zu leben und das Gefühl Sehnsucht dabei sehr gut kennen gelernt zu haben. Hätte ich da nicht frühzeitig ein Gegenmittel entwickelt, wäre ich wohl schon verrückt geworden.
Endlich bin ich also auch dem grünen Tee-Pulver aus Japan verfallen. Der Name klingt ja ein wenig wie „Macho, Macho“ und irgendwie hab ich es ja nicht so mit allen möglichen Trendgetränken, die man/frau so unbedingt in dieser Saison braucht.

Grüne Power
Aber im Zuge einer Unterrichtsstunde in einem angesagten Teegeschäft, hab ich mich umfassend informiert und ich muss sagen – hat was. Und von Trendgetränk kann ja nun bei einer 5000-Jahre alten Tradition auch nicht unbedingt die Rede sein.

