Skin In The Game

Normalerweise hüte ich mich ja davor, ständig mit englischen Floskeln herum zu werfen, aber dieser Begriff „skin in the game“ gefällt mir wesentlich besser als die ebenfalls englische, aber doch schon mehr abgelutschte – take the risk. Wer mich kennt weiß, dies ist immer wieder mein Thema – Risiko und damit Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und dazu stehen, loslassen, wenn etwas nicht mehr passt – Freiheit. Derzeit ist in Österreich eine ganze Berufsgruppe extrem verunsichert, weil „man“ das bisherige Berufsbild ändern will. Und weil Viele Änderung mit Abschaffung und – dann gibt es das nicht mehr – gleichsetzen. Und daher erstarren jetzt alle wie das Kaninchen vor der Schlange, niemand wagt mehr zu atmen, abwarten, tot stellen, eventuell noch Unterschriftenlisten basteln, auf keinen Fall aber zu diesem Zeitpunkt etwas Neues starten, eine Ausbildung zum Beispiel.

Als ich selbst im Studentenalter war, gab es den Magister und den Doktor, aber keinen Bachelor oder Master. Jeder konnte Medizin studieren, entsprechend streng waren die Zwischenprüfungen, ausgesiebt wurde also nicht am Anfang sondern währenddessen. Es hieß noch Germanistik und nicht Literaturwissenschaften, Ernährungsberater war ein freier Beruf, zu dem man nicht einmal einen Gewerbeschein brauchte, Lebens- und Sozialberater gab es nicht und als sie dann eingeführt wurden, durften sie viele Dinge tun, die heute nur den Psychotherapeuten vorbehalten sind.

Dafür gibt es heute neue Berufsgruppen, zum Beispiel die Influencer, die uns über Instagram, Youtube und andere Soziale Medien sehr wohl „beraten“, beeinflussen, all die Dinge tun, die in der echten Welt zunehmend reglementiert werden. Und ja, vielleicht gibt es den Humanenergetiker Morgen nicht mehr. Vielleicht heißt er aber auch nur anders.

Oder glaubt wirklich jemand, dass deshalb das gesamte Wissen, das da heute in ihm steckt, ebenfalls verloren geht? Dass sich dann schlagartig plötzlich Ärzte besinnen und Bachblüten mischen? Das Wissen der Menschheit ist da und wird weiter angewendet werden. Schon heute gibt es genug legale Schlupflöcher, man muss nur den Wunsch weglassen, zu heilen, zu therapieren.

Die Kräuterhexen sind heute Kräuterpädagogen, auf unseren Zeugnissen steht das mit dem Pädagogen schon lange oben, denn genau das sind wir – Menschen, die vielleicht etwas mehr wissen und dieses Wissen an Kunden weitergeben, die damit ihr Leben eigenverantwortlich gestalten.

Wir alle wissen – Yoga ist mehr als Gymnastik. Yoga heilt, Yoga ist eine wunderbare Vorbeugung. Trotzdem nennt sich niemand, der das professionell anbietet Yogatherapeut. Für mich ein wundervolles Beispiel dafür, wie es sein kann. Ob Ernährung, Bachblüten, Aromaöle oder Anatomie. Bringt Menschen etwas bei, was ihr selbst gelernt habt.

Berufe sind ständig in Bewegung, Inhalte auch. Jetzt deshalb nichts mehr zu lernen, sich kein Wissen mehr anzueignen, weil das Etikett auf der Schachtel sich vielleicht ändern wird, „abwarten“ – das ist in meinen Augen die schlechteste aller Optionen. Bis sich die Ängstlichen dann endlich wieder bewegen, haben die Mutigen bereits die Beute unter sich aufgeteilt.

Lassen wir uns nicht einreden, dass manche Berufe nicht mehr gebraucht werden. Das würde bedeuten, wir gestehen einer Regierung, welcher auch immer, Weitblick zu. Und dass das noch nie funktioniert hat, sieht man an der Berufsgruppe der Lehrer. Vor einigen Jahren wurden alle in Frühpension geschickt, vom Lehramtsstudium wurde abgeraten, heute fehlen sie überall. Und vor allem Lateinlehrer, bei denen es hieß, die sterben aus. Heute werden sie händeringend gesucht, eine Freundin pendelt seit Jahren zwischen vier Schulen! Und ein Beruf, von dem ich selbst gerade betroffen bin – finde mal einen guten Hufschmied oder gar Sattler!

Wenn man gern etwas lernen will, dann sollte man das tun. Was man danach daraus macht, wird sich dann zeigen. Aber – Lernen ist für immer, Regierungen und Gesetze sind es nicht.

Lern, weil dich der Inhalt interessiert, nicht die Frage, welches Etikett du dir dann umhängst.