Endlich blinzeln wir wieder in die Sonne. Nach langen, dunklen Wintermonaten merkt man, wie sich die Stimmung plötzlich hebt, sobald die Sonne scheint. Menschen sind besser gelaunt und freundlicher, selbst die eigene To-do-Liste erscheint weniger bedrohlich. Doch warum ist das so? Warum macht uns Sonne tatsächlich glücklich?

Die Antwort liegt natürlich in unserem Körper verborgen. Sonnenlicht beeinflusst direkt unsere Hormonproduktion. Sobald Licht auf unsere Netzhaut trifft, sendet das Gehirn Signale aus, die die Ausschüttung von Serotonin anregen. Das ist jener Botenstoff, der für Zufriedenheit, innere Ruhe und emotionale Stabilität verantwortlich ist. Im Winter hingegen, wenn die Tage kurz und grau sind, sinkt der Serotoninspiegel. Viele Menschen kennen die „Winterdepression“ und spüren dann eine bleierne Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder fühlen sich einfach niedergeschlagen. Das ist eine natürliche Reaktion auf den Lichtmangel.

Gleichzeitig reguliert Sonnenlicht unser Schlafhormon Melatonin. In der dunklen Jahreszeit bleibt der Melatoninspiegel oft erhöht, wir fühlen uns tagsüber müde und kommen morgens schwer aus dem Bett, denn unser Tag-Nacht-Rhythmus wird maßgeblich durch Licht gesteuert. Deshalb wird auch immer dazu geraten, morgens ab in die Sonne, ans Tageslicht – aber woher sollte man das denn in den letzten Wochen nehmen?! Meine Tageslichtlampe hat ihr bestes getan, aber das ist natürlich nicht ganz dasselbe. Mit den ersten hellen Tagen pendelt sich unser innerer Rhythmus nun wieder so richtig ein. Wir schlafen tiefer, wachen erholter auf und starten wacher in den Tag. Es ist, als würde jemand einen Schalter umlegen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist natürlich Vitamin D – eigentlich kein Vitamin, sondern ein Hormon, das unser Körper mithilfe von Sonnenstrahlen selbst bildet. Es unterstützt nicht nur unser Immunsystem und unsere Knochengesundheit, sondern steht auch in engem Zusammenhang mit unserer Stimmung. Ein Mangel kann depressive Verstimmungen begünstigen, alles fühlt sich doppelt anstrengend an. Daher ist Supplementierung durch Nahrungsergänzungsmittel in unseren Breiten in den Wintermonaten wirklich zu empfehlen.

Doch nicht nur biochemisch geschieht etwas mit uns. Sonne verändert unser Verhalten. Wir gehen wieder öfter nach draußen, bewegen uns mehr, treffen uns mit Freundinnen, setzen uns mit einem Kaffee auf den Balkon, hören Podcast oder Audiodateien bei einem Spaziergang oder nehmen das Buch mit in den Park. Bewegung an der frischen Luft setzt zusätzlich Endorphine frei – körpereigene Glücksbotenstoffe. Es entsteht ein wunderbarer Kreislauf aus Licht, Aktivität und guter Laune.

Und seien wir ehrlich: Ja, das Feine am Fernstudium ist, man kann auch daheim gemütlich in eine warme Decke eingewickelt lernen – aber noch schöner ist es doch draußen in der Sonne bei Vogelgezwitscher. Natürlich hat es seinen Reiz, sich an kühlen Tagen einzukuscheln und konzentriert am Schreibtisch zu sitzen. Doch sobald die Sonne scheint, verändert sich die Atmosphäre. Tatsächlich zeigen Studien, dass helles Licht die Aktivität bestimmter Gehirnareale steigert, die für unsere Motivation zuständig sind. Gleichzeitig sinkt das Stresshormon Cortisol schneller ab, wenn wir Zeit im Freien verbringen. Die Natur wirkt wie ein Gegenpol zu unserem oft digitalen, schnellen Alltag. Sonnenlicht signalisiert unserem Gehirn Sicherheit, denn evolutionsbiologisch bedeutete Helligkeit Schutz und Aktivität, Dunkelheit hingegen Vorsicht und Rückzug. Dieses uralte Programm läuft noch immer in uns.

Elderly woman in home, opening curtains and getting ready for the day with sun, light and fresh air. Morning routine, retirement and senior person at window in apartment, housework and chores in room

Vielleicht spüren Sie gerade jetzt diese Aufbruchsstimmung. Die Lust, Fenster zu öffnen, Altes auszusortieren, neue Pläne zu schmieden. Frühling und Sonne stehen symbolisch für Neubeginn. Und manchmal brauchen wir genau dieses äußere Signal, um auch innerlich etwas in Bewegung zu bringen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, nicht nur die Fenster zu öffnen, sondern auch neue Türen. Wenn die Sonne uns neue Energie schenkt, warum sollten wir sie nicht nutzen? Ein neuer Kurs, eine Weiterbildung, ein Thema, das Sie schon länger reizt. Lernen bedeutet Entwicklung. Und Entwicklung beginnt mit einer bewussten Entscheidung – vielleicht genau in dem Moment, in dem Sie Ihr Gesicht in die Sonne halten und denken: Jetzt!

Sonnige Grüße

Mag. Sarah Eidler