Danke liebes Huhn

Two little girl feeding chickens

Glückliche Hühner

Ich gebe es zu, ich liebe Eier. Und ich habe sie auch immer verteidigt. Lange Zeit wollte man uns ja einreden, Eier erhöhen den Cholesterinspiegel. Als ich in meinem ersten Buch „Gesundheit aus Dosen“ vor rund 18 Jahren geschrieben hatte, dass dies vollkommener Blödsinn sei, bekam ich Drohbriefe von Ernährungsberatern (damals gab es noch kein Facebook, heute würde man wohl sagen, ein Shitstorm brach über mich herein). Heute sind Eier rehabiliert, man hat sie sozusagen freigesprochen von dem Unfug, sie wären verantwortlich für Arteriosklerose und Herzinfarkt. Und für mich ist ein Frühstücksei (am liebsten mag ich Eier im Glas) der Inbegriff eines Sonntags mit Zeit und der kleine Luxus zwischendurch.

Ich bin am Bauernhof aufgewachsen, wo auch Kinder eine Aufgabe und eine Verantwortung hatten. Meine Aufgabe war es, morgens die Eier einzusammeln, möglichst ohne welche zu zerbrechen. Über glückliche Hühner hat man sich damals keine Gedanken gemacht, alle Hühner waren es, hatten sie doch einen auch für heutige Bio-Verhältnisse Mega-Auslauf, nämlich den ganzen Hof und die angrenzenden Felder. Heute gilt als Bio eine Platzgröße von 0,16qm pro Huhn, also soviel wie zwei DinA4 Blätter. Immerhin könnte man sagen, in der herkömmlichen Landwirtschaft gibts nur ungefähr ein DinA4-Blatt. Einziges Leiden der Hühner damals bei meiner Oma am Hof – ich hatte ein Baumhaus genau über dem Hühnerstallauslauf, und es gehörte zu einem unserer Spiele, die Hühner gelegentlich von oben mit Kirschkernen zu bespucken.

Eier sind, wie jedes Produkt aus dem später mal neues Leben entstehen soll ein vollwertiges Lebensmittel, denn aus dem Ei sollte sich, wenn alles gut läuft, ja mal ein neues Huhn entwickeln. Und selbst für die biologische Wertigkeit von Eiweiß nimmt man das Hühnerei als Referenzwert und setzt es mit 100 gleich. Daran müssen sich nun alle anderen Produkte messen. Und ich empfehle Eier vor allem beim Abnehmen, bei Menschen, die zwischendurch Heißhunger haben auf irgendwelche Snacks aus Süßigkeiten. Ein hartgekochtes Ei gehört sozusagen zur Grundausstattung, es bremst unser Insulin aus, so dass wir nicht ständig nach Schokolade suchen und es sättigt (wie alles aus Eiweiß). Das Eigelb enthält außerdem Lecithin (der Name bedeutet übersetzt Eigelb), gut für unser Gehirn. Und viel Vitamin A liefert es auch noch dazu.

Vitamin A und Eiweiß sind auch der Grund, warum wir in meiner Armenschule in Kenia vor einem Jahr zweimal pro Woche ein Ei eingeführt haben, auch wenn uns dies ein Loch ins Budget reißt. Und – die Kinder lieben es. An den Tagen, an denen es ein Ei gibt, haben wir keine Fehlzeiten. Und ich selbst leiste mir, wenn ich wochenlang vor Ort bin, manchmal ein Frühstück in einem italienischen Restaurant, wo es wunderbare Gemüseomelettes gibt.

Genießen Sie also Ihr Ei und sagen wir Danke an die Hühner. Die ich übrigens auch mag, allerdings lieber lebend herum laufen und scharren;-))